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Chronik

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Am Anfang hatte es schon lange begonnen




Karate in Hamburg. Eine asiatische Kampfkunst, die sich dank des Engagements einiger Individualisten seit Anfang der sechziger Jahre auch in der Hansestadt durchzusetzen beginnt.


Von einer organisierten Einheit im Karateverband noch weit entfernt, gründete sich am 6. Mai 1963 die Karateabteilung des TSV Hohenhorst und war damit eines der ersten Trainingszentren in Norddeutschland. Der Leiter, Harald Melchert, war zugleich Initiator weiterer Dojo-Gründungen in Hamburg und dem norddeutschen Raum. Gleichzeitig war es der erste Sportverein in Deutschland, der eine Kinder- und Jugendkarateabteilung ins Leben rief. Die Sportschule Kodokan Nippon unter Leitung von Herbert Kranz folgte Mitte der sechziger Jahre und blieb dank seinen hervorragenden Trainern Wolfgang Ziebarth und Rainer Kubisch für rund zehn Jahre die Karate-Hochburg Hamburgs. Weitere Karateschulen entstanden Anfang der siebziger Jahre: zum Beispiel das Alsterdojo International mit Jürgen Geyer oder die Karateschule von Ronny Kilz in der Eimsbüttler Fettstraße.


Bis in die siebziger Jahre noch dem Hamburger Judo Bund, Sektion Karate angeschlossen, regte sich schon bald der Wunsch nach einem eigenen Karateverband. So entstanden der Norddeutsche Karate Verband e.V. (NKV), die Hamburger Karate Union e.V. (HKU) und der Deutsch-Japanische Karate-Verband (DJKV) als Vorläuferorganisationen des Hamburger Karate-Verband e.V. (HKV). Der NKV, die HKU und der DJKV stellten den Landesverband ihrer jeweiligen bundesweiten Dachorganisation dar. Es waren dies der Deutsche Karate Bund e.V. (DKB), die Deutsche Karate Union e.V. (DKU) und der Deutsch-Japanische Karate-Verband (DJKV). Der DKB war der mitgliederstärkste Verband, gefolgt von der DKU und dem DJKV.


Am 17. Februar 1977 war es dann endlich so weit: die Satzung des Hamburger Karate-Verband e.V. wurde erstellt, verabschiedet, und damit der Verband gegründet.


Angeregt durch den im Vorjahr erfolgten Zusammenschluss des DKB mit der DKU, dem DJKV und dem Goju-Kai Deutschland (GKD) und der daraus resultierenden Konstituierung des Deutschen Karate Verband e.V. (DKV) am Tag der Deutschen Einheit 1976, folgte genau acht Monate später am 17. Februar 1977 die Gründung des Hamburger Karate-Verband e.V., dessen Eintragung ins Vereinsregister unter dem Aktenzeichen 69 VR 8679 am 13. Mai 1977 vom Amtsgericht Hamburg bestätigt wurde.

Kurze Zeit später erkannte der Hamburger Sportbund unter der Mitgliedsnummer 6160 den HKV als Landesfachverband und zugleich Dachverband für Karate in seinem Zuständigkeitsbereich an.


Die Gründungsväter des HKV beabsichtigten der qualitativ hochstehenden Kampfkunst Karate in Hamburg sportpolitisch endlich die angemessene Anerkennung zukommen zu lassen, die ihr im Schatten des Judo Bundes und unter Leitung der kleineren Karateverbände bislang verwehrt geblieben war.


Doch wer waren die Gründungsväter, die den Hamburger Karate-Verband e.V. in seiner jetzigen Rechtsform vor einem viertel Jahrhundert in einer Kellerbar des Hamburger Sportbundes aus der Taufe hoben, und wie ging es weiter?


Wolfgang Jantz, Präsident der Hamburger Karate Union e.V.

Ingo Nies, Hamburger Karate Union e.V.

Dr. Jürgen Willrodt, Erster Vorsitzender des Norddeutschen Karate Verband e.V.

Wolfgang Söchtig, Norddeutscher Karate Verband e.V.

Ronny Kilz, Präsident des Deutsch-Japanischen Karate-Verband


Wolfgang Jantz wurde zum Präsidenten und Dr. Jürgen Willrodt zum Vizepräsidenten des neu gegründeten Verbands gewählt. Das Amt des ersten Jugendreferenten im HKV trat Ingo Nies an. Sein Stellvertreter und gleichzeitig Sportwart wurde Wolfgang Söchtig.


Am 11. Juni 1977 wurde der Deutsche Karate Verband e.V. als einziger Spitzenverband für die Sportart Karate in Deutschland anerkanntes Mitglied des Deutschen Sportbundes. Im gleichen Jahr erwarb der Hamburger Karate-Verband e.V. die Mitgliedschaft im Hamburger Sportbund. Es verging allerdings noch ein knappes Jahrzehnt, ehe der DKV auf seiner Mitgliederversammlung am 2. November 1986 einstimmig die Umwandlung von einem Dachverband in einen Fachverband beschloss. Fortan sollte es nur noch einen einzigen, übergeordneten und vom Deutschen Sportbund allein anerkannten Fachverband für alle Karate-Treibenden in Deutschland geben: den Deutschen Karate Verband e.V. Hiermit gaben zugleich alle Landesdachverbände ihre Eigenständigkeit auf, um in ihrem jeweiligen Landesfachverband zu fusionieren. Die im Hamburger Karate-Verband e.V. vertretenen drei Hamburger (Dach-) Verbände NKV, HKU und DJKV verschmolzen zum Hamburger Karate (Fach-) Verband in seiner jetzigen Form.


Das Auf und Ab der Mitgliedszahlen

Seit Gründung des Hamburger Karate-Verband e.V. vor 25 Jahren hat sich die Zahl der Karate Treibenden in der Hansestadt von 1559 auf 2966 fast verdoppelt. Zeitgleich stieg das Interesse der Vereine und Sportschulen, Karate anzubieten. Aus anfänglich 23 Dojos wurden bis heute 70. War am 1. Januar 1978 nur jedes siebte Mitglied im HKV weiblich (14,4%), sind heute knapp ein Drittel aller Karateka Mädchen und Frauen unterschiedlichster Altersstufen und Bildungsgrade (1.1.2002: 31,5%). Der Anteil Kinder und Jugendlicher bis einschließlich 18 Jahre ist im Verhältnis zur Gesamtmitgliederzahl des Hamburger Karate-Verband e.V. in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten nur wenig gestiegen: von einst 50,4% auf aktuell 52,9%.


Karate - ein Sport, der in den letzten 25 Jahren in der Hansestadt nichts von seiner Attraktivität und Faszination verloren hat und nach wie vor alle Altersstufen und die unterschiedlichsten intellektuellen Schichten dank seiner Trainingsvielfalt begeistert. Nicht zu letzt auch deshalb, weil die Aus- und Fortbildung der Übungsleiter und Karate-Trainer geregelt ist und auf sportwissenschaftlicher Basis erfolgt.


Mitglieder im Hamburger Karate-Verband e.V. (am 1.1. des jeweiligen Jahres)


Die Mitgliedszahlen für das Jahr 1977 und davor können nicht herangezogen werden, da Karateka und Judoka vor der Gründung des Hamburger Karate-Verband e.V. vom Hamburger Sportbund gemeinsam erfasst wurden!


Es gab in Hamburg beispielsweise am


1.1.1966 insgesamt 1596 Karate- und Judo-Treibende

1.1.1967 insgesamt 1878 Karate- und Judo-Treibende

1.1.1968 insgesamt 2507 Karate- und Judo-Treibende

1.1.1977 insgesamt 7877 Karate- und Judo-Treibende


Fighter in Weiss: Auf dem Weg zur Kumite-Hochburg

Könner gab es viele, Kampfsportgeschichte schrieben nur wenige. Und wenn, dann Kumite-Geschichte. Ob Fighter in den Kinderschuhen des Hamburger Karate in den wilden Sechzigern oder Nationalkaderathlet in den letzten Jahren: Erinnern wir uns an die Wegbereiter von Hamburgs Aufstieg zur Kumite-Hochburg im Norden.


Wolfgang Ziebarth: Viel zu früh verstorbener ehemaliger Bundestrainer und Trainerchef Ende der sechziger Jahre beim Kodokan Nippon in der Gilbertstraße.

Reinhardt Kubisch: Der knallharte Nationalkämpfer und mehrfache Deutsche Meister brachte bis Anfang der Siebziger den Karateka von Kodokan Nippon in der Richardstrasse das Kämpfen bei.

Geert Lemmens: Vize-Europameister, belgischer und deutscher Meister, der 1972 die Trainernachfolge von Wolfgang Ziebarth beim Kodokan Nippon antrat und unter dessen Leitung die Sportschule von Herbert Kranz noch viele Jahre führend blieb.

Helmut Degen: "Der Lange" wurde Vize-Weltmeister mit der Mannschaft und vielfacher Deutscher Meister. Sein Name war in der zweiten Hälfte der Siebziger in aller Munde. Aus seiner Sportschule kamen ein Jahrzehnt später hervorragende Karateka. Die Sportschule Degen konnte einige deutsche Mannschaftstitel erringen.

John Lüdecke: Der Kämpfer aus der Sportschule Degen war in den 1970er Jahren mehrfacher Deutscher Meister im Kumite.

Leonard Zielinski: Mitglied der ersten DKV-Nationalmannschaft unter Horst Handel. Der gebürtige Pole startete für Nippon und platzierte sich mehrfach auf Deutschen Meisterschaften.

Andreas Brannasch: Deutscher Karatemeister im Gründungsjahr des HKV und Nationalkämpfer, der bis Mitte der achtziger Jahre aus den Siegerlisten nationaler Turniere nicht mehr wegzudenken war. Er war auch im Kata erfolgreich.

Dr. Jürgen Willrodt: Als dreifacher Vize-Weltmeister brachte er den Studenten des Uni-Dojo in den achtziger Jahren den richtigen Umgang mit der leeren Hand bei und glänzte ebenfalls im Katabereich.

Thorsten Urban: Helmut Degens "Kampfmaschine" ab Anfang der achtziger Jahre. Internationaler Deutscher Meister und mehrfacher Deutscher Juniorenmeister, dessen perfekte Ura-mawashi-geri von seinen Gegnern gefürchtet waren.    

Toribio Osterkamp: Nationalkämpfer und einer der wenigen Hamburger Karateka, der in der Disziplin Kata herausragende Erfolge errang. So stand er bei der Deutschen Meisterschaft 1986 in Hamburg auf dem Siegertreppchen ganz oben.    

Samad Azadi: Strahlender Gewinner des Techniker-Preises für sauberes Karate beim ersten Hanse-Pokal-Turnier 1988 und Ende der Neunziger Shooting Star im Nationalteam. Im Anschluss an seine Berufung in den Nationalkader 1989 erkämpfte er sich während des folgenden Jahrzehnts bei fast jeder größeren europäischen oder internationalen Veranstaltung einen der ersten drei Plätze.      

Ibo Günes: Hamburgs derzeit einziger Vertreter im Nationalkader. Bereits von 1987 bis 1989 Mitglied der türkischen Nationalmannschaft, gewann er in den vergangenen Jahren mehrfach deutsche wie internationale Meisterschaften.    

N.N.: Ein international erfolgreicher Athlet möchte an dieser Stelle ungenannt bleiben.


Ohne Funktionär wärs doppelt schwer

Macher in Weiß. Manager einer Kampfkunst, ohne die unsere junge Sportart in Hamburg kaum überlebt hätte. Wer waren sie, die Männer und Frauen, die Wegbegleiter der für die westliche Welt so neuen, fernöstlich geprägten Selbstverteidigung in der Hansestadt? Die juristisch nach außen hin verantwortlichen Präsidenten, Vizepräsidenten und Schatzmeister, ohne deren Engagement nichts ging? Und wie hießen die Jugendreferenten, die sich um die Förderung des sportlichen Nachwuchses verdient gemacht haben? Blicken wir zurück auf 25 Jahre Ehrenamt, stoßen wir auf viele bekannte Personen, die ihre Freizeit zum Wohl des Hamburger Karatesports opferten.


Präsidenten des HKV e.V. waren:      


1977 - 1982: Wolfgang Jantz

1983 - 1994: Egbert Bogdan

Ab 1995:      Joachim Kraatz  


Die Ersten Vizepräsidenten des HKV e.V. hiessen:


1977 - 1981: Dr. Jürgen Willrodt

1982 - 1994: Wolfgang Söchtig

1995 - 1998: Axel Domnick

1999 - 2015: Egbert Bogdan

Ab 2015:      Dr. Torben Schröter


Als Zweite Vizepräsidenten des HKV e.V. amtierten:


1977 - 1979: Herbert Kranz und Helmut Röckendorf

1980 - 1982: Dirk Baranek

1983 - 1986: N.N.  

1987 - 1988: Norbert Paschke

1989 - 1993: Joachim Kraatz

1994:           Unbesetzt

1995 - 1996: Uwe Hirtreuter

1997 - 1998: Unbesetzt

Ab 1999:      Aufgelöst durch Satzungsänderung  


Schatzmeister des HKV e.V. waren:


1977:           Gisela Balck

1978 - 1994: Wolfgang Söchtig

1995 - 1996: Harry Roggow

Ab 1997:      Michael Sladek


Das Amt des Jugendreferenten im HKV e.V. übte aus:


1977 - 1982: Ingo Nies

1983 - 1994: Rolf Urban

1995 - 1996: Timm Nienburg

Ab 1997:      Jutta Heinrich


Kaum zu glauben

Ein halbes Menschenleben Karate in der Hansestadt. Ein viertel Jahrhundert davon organisiert im Hamburger Karate-Verband e.V. Wurde in den stürmischen Siebzigern bei Wettkämpfen teils noch ohne Faust- und Mundschutz gekämpft, ist heute die Verwendung von Faustschützern Pflicht. Dadurch hat die Technikvielfalt im Wettkampf-Karate in den vergangenen Jahren sehr zugenommen. Die konditionellen Anforderungen an die Kämpfer sind ebenfalls gestiegen, denn vorzeitige Siege gibt es kaum noch. Nach der bereits erfolgten Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee ist Wettkampf-Karate auf dem besten Weg, als olympische Disziplin zugelassen zu werden.


Gleichzeitig zur, von den meisten Experten begrüßten, Entwicklung des Sportsektors gab es in der Hamburger Karateszene auch immer wieder interessante Begegnungen mit anderen asiatischen Kampfkünsten: So die Kung-Fu-Vorführung des amerikanischen Champions Al Dacascos beim Ländervergleichskampf zwischen Hamburg, Berlin und Bayern im März 1977. In den Folgejahren trainierte Dacascos einige Zeit die Kampfmannschaft von Nippon. Oder die einstündige Demonstrationseinlage des sportlichen Kontrahenten Taekwondo zwischen Vor- und Endrunde bei der Deutschen Karate-Meisterschaft Senioren in der Alsterdorfer Sporthalle 1986.


Aber auch die Veranstaltungen selbst wichen oftmals vom üblichen Rahmen ab. Die Ende 1982 Hamburg Mixed titulierte Doppelveranstaltung mit über 300 Meldungen, vereinte die Internationalen Verbandsmeisterschaften mit dem Europacup Leichtkontakt an einem Tag. Dank ausgezeichneter Organisation verlief alles ebenso reibungslos wie beim Nord Cup Anfang Juni 1983, einem Turnier mit allerdings lediglich 81 Startmeldungen. Aus Sicht des Hamburger Karate-Verband e.V. aber trotzdem ein voller Erfolg, da Athleten aus den vier Verbänden DKB, DKU, Goju Kai Deutschland und DJKV teilnahmen, was damals durchaus nicht selbstverständlich war.  Drei Jahre später gaben drei Bundeskampfrichter dem nur für Schwarzgurt-Träger zum ersten Mal ausgeschriebenen Dan-Cup 1986 den Touch des Besonderen, und mit 416 Startern geriet das Pokalturnier anlässlich des zehnjährigen Bestehens des HKV am 9. Mai 1987 zu einer Mammutveranstaltung. Mit ebenfalls riesiger Beteiligung wurde ein Jahr später Mitte Mai 1988 der Grundstein für das bis heute jährlich stattfindende Hanse-Pokal Turnier gelegt. Schon damals waren 340 Teilnehmer aus 50 Vereinen der fünf norddeutschen Bundesländer Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein angereist, um eine oder mehrere der begehrten Trophäen zu erkämpfen. Die verflixte 13 schlug beim Kyu-Cup, dem beliebten Turnier für Kinder und Jugendliche, im Juni 2001 zu. Nach zuvor zwölf erfolgreichen Veranstaltungen mit ausschließlich deutscher Beteiligung, wurde der dreizehnte Wettkampf im vergangenen Jahr zum ersten Mal international ausgeschrieben. Mit 350 Startern von 5 bis 17 Jahren zwar sehr gut besucht, mangelte es beim 1. Internationalen Hamburger Kyu-Cup Turnier jedoch noch an Teilnehmern aus dem Ausland.  


Nicht nur Wettkämpfe gerieten gelegentlich zu außergewöhnlichen Events. Auch manches Weiterbildungsangebot, wie der dreitägige Lehrgang Meditation im Karate mit dem Pionier Hans-Karl Rotzinger 1988 und seiner eindrucksvollen Atemkata, blieb für alle Teilnehmer unvergesslich. In den letzten Jahren gab es einen regen Lehrgangsbetrieb mit nationalen Toptrainern, wie zum Beispiel Kata-Bundestrainer Efthimios Karamitsos, Ex-Bundestrainer Günther Mohr oder Sigi Wolf.  


Freundschaftliche Begegnungen mit Teams aus den unterschiedlichsten Ländern, zum Beispiel Japan oder Russland, passten genau ins Bild der liberalen, weltoffenen Hansestadt als Tor zur sportlichen Welt. Der Eiserne Vorhang war noch nicht ganz gefallen, als der Landeskader aus Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, im Mai 1991 Hamburg besuchte und damit der Sportgeschichte unseres Verbandes ein Highlight bescherte. Sechs Jahre später siegte die hanseatische Auswahl bei einem Freundschaftskampf im englischen Leeds über das heimische Team, und auch in der Rückrunde 1999 reichte es für den englischen Coach Nick Heald und seine Mannschaft nur zum zweiten Platz.              


Nach Sonne folgt Regen, sagt ein Sprichwort. Und wenngleich es überwiegend Erfreuliches gab, gab es gelegentlich doch auch immer mal sportliche Wermutstropfen. Ob zeitweilig zu geringes Interesse der Damen an den Wettkämpfen oder der Mangel an Kampfrichtern, der beispielsweise 1984 und im folgenden Jahr dazu führte, dass die Hamburger Meisterschaften mit zwei flexiblen Kampfrichtern und einem Kampfinspektor geleitet werden mussten: Auftretende Schwierigkeiten forderten Improvisationstalent und organisatorisches Geschick der Veranstalter heraus. Bewähren mussten sich auch Ärzte und Sanitäter bei den Hamburger Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften 1984, die für jeden vierten der 212 Einzelkämpfer mit Verletzungen endete.


Vergangen, vergessen, vorüber. Mit der hinter unserer Kampfkunst stehenden Philosophie ist unkontrollierter Körperkontakt ohnehin nicht vereinbar. Karate ist zwischenzeitlich erwachsen geworden. Ist zur eleganten Form des Kampfsports auf hohem Niveau gereift.


Was ethisch lobenswert erscheint, entspricht aber nicht unbedingt immer dem Zeitgeschmack. In den wilden Sechzigern angeregt durch die Handkanten schwingende Emma Peel und ihren Mit Schirm, Charme und Melone jeden Fall lösenden Partner John Steed, entwickelte sich Karate in Hamburg im folgenden Jahrzehnt zum wahren Publikumsmagneten. 1000 Zuschauer sahen die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften in der Alsterdorfer Sporthalle im Oktober 1973. Mit 800 Schaulustigen bei den Meisterkämpfen war die Glinder Halle zwei Wochen nach Gründung des HKV e.V. restlos überfüllt. Und noch im März 1980 kämpfte der sportliche Nachwuchs von Bruce Lee vor 700 Interessierten um Hamburger Meisterehren.


In den achtziger Jahren kam dann die Wende. Videotheken und private Fernsehsender schossen wie Pilze aus dem Boden, und der Wimbledon-Sieger von 1985, "Bumm-Bumm-Boris" Becker und bald darauf Steffi Graf, machten über Nacht die Randsportart Tennis populär. Karate dagegen verlor an Anziehungskraft. Besuchten 1984 noch 400 Zuschauer die Hamburger Karate Meisterschaften Einzel und Mannschaft, war die Fan-Gemeinde  ein Jahr später auf 350 zahlende Besucher gesunken. Anlässlich der Hamburger Meisterkämpfe im Frühjahr 1986 schrieben die DKU Nachrichten: "500 Zuschauer bildeten eine für die Hansestadt starke Kulisse".


Hatte Karate, unsere in der Hansestadt aufblühende Sportart, die sich über kontinuierliche Mitgliederzuwächse freuen durfte, die Talsohle in der Gunst der Zuschauer überschritten? Sollte es wieder bergauf gehen?


Die Zuschauerrekorde der Gründerzeit wurden nie wieder erreicht! Im Gegensatz zur steigenden Mitgliederzahl sank das Interesse, eine Karate-Veranstaltung besuchen zu wollen, in den letzten Jahren weiter. Selten mehr als 200 Zuschauer sind der verbliebene Rest treuer Fans, die auch in einer ausufernden Spass- und Kommerzgesellschaft noch immer den sauberen Zweikampf, die stilistisch elegante Kata sehen wollen.


Karate in Hamburg: Aus den Kinderschuhen längst entwachsen, begeistert unsere auf jahrtausende alten Wurzeln basierende asiatische Kampfkunst mittlerweile alle Altersstufen und die unterschiedlichsten intellektuellen Schichten. Dank des sehr vielfältig angelegten Trainings und einem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung wird Karate als Amateursport im besten Sinne seinen Weg auch weiterhin erfolgreich gehen und eine feste Größe im sportlichen Leben unserer Hansestadt bleiben. Jeder Kampfkunst-Interessierte kann in einem der vielen Dojos des Hamburger Karate-Verbandes ein attraktives Angebot finden.


Wolfgang Adamek, Medienreferent des Hamburger Karate-Verband e.V.




Dankeschön


Der Hamburger Karate-Verband e.V. bedankt sich recht herzlich bei allen, die zum Gelingen dieser Chronik beigetragen haben.

 Grafik / Ehrentafel

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Mitgliederstatistik


Mitglieder im Hamburger Karate-Verband e.V. (am 1.1. des jeweiligen Jahres)

Ehrentafel

des

Hamburger Karate-Verband e.V.

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