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 Günter Mohr (7. Dan Shotokan) – Bundestrainer Kumite von 1980 bis 2001

Karate ist gelebte Philosophie
Günter Mohr ist auch in Hamburg ein immer wieder gern gesehener und viel besuchter Lehrgangsleiter. Der ehemalige Bundestrainer gründete 1978 das KJC-Sportcenter in Ravensburg, heute zugleich Bundesleistungszentrum, in dem seit 1983 jeden Sommer das weit über die Landesgrenze bekannte Ravensburger Sommerlager mit sehr vielen nationalen und internationalen Trainerinnen und Trainern stattfindet. Der Erfolgstrainer Kumite führte die Nationalmannschaft der Herren während zwei Jahrzehnten zu überaus vielen Erfolgen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Weltcups. Zuletzt bei der Weltmeisterschaft 2000 in München. Außerdem trainierte er die Nationalmannschaften von Indonesien, Ägypten, Japan, Taiwan und Sri Lanka. Seine taktischen Grundsätze und die beeindruckende technische Vielfalt bestimmen den Erfolg seiner Karateka im Wettkampf. Günter Mohr wurde am 14. Dezember 1950 in Crailsheim geboren und begann als 16-jähriger mit Karate. Er erzielte Deutsche Meistertitel im Kumite, wurde Europacupsieger 1976 und erkämpfte mit der Nationalmannschaft 1977 den zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft in Tokio. Der gebürtige Franke gibt teilweise bis zu 20 Trainingseinheiten pro Woche in seinem heimatlichen KJC-Sportcenter in Ravensburg und regelmäßig an vielen Wochenenden im Jahr Lehrgänge in ganz Deutschland. Lesen Sie jetzt die interessanten Ansichten eines außergewöhnlichen Meisters, für den Karate nicht nur Sport, sondern gelebte und zutiefst verinnerlichte Philosophie ist.

Wie bist Du zum Karate als Deine Sportart gekommen?

Karate hatte mich als Jugendlicher schon immer interessiert. Nur fand ich damals noch keinen Verein, der es anbot. Also begann ich zuerst mit Judo. Ein Judoka machte nebenbei noch Karate und nahm mich mal mit zum Karatetraining. Das war 1967. Mein damaliger Trainer war Roland Hantzsche, unser heutiger DKV-Präsident.  

Welche Hobbys hast Du außer Karate noch?

Ich fühle mich am Wasser sehr wohl und besitze das Bodenseeschifferpatent. Sehr gerne verbringe ich meine Freizeit mit meinem Sohn. Im Winter fahre ich gerne Ski und bin Mitglied in einem örtlichen Schützenverein.

Was fasziniert Dich besonders an unserer Kampfkunst?

Die Vermittlung ethischer Werte, wie Aufrichtigkeit, Bescheidenheit und Mut, und die daraus resultierende mentale Weiterentwicklung. Kara bedeutet eigentlich nicht leer, sondern frei zu sein von Vorurteilen. Ein Ziel ist die Einheit von Körper und Geist.

Wo liegen Deine Schwerpunkte im Karate?

Karate ist Lernen durch Erfahrung. Hauptsächlich trainiere und unterrichte ich Kumite, befasse mich aber auch mit Kata und gerne mit Bunkai, der Anwendung der Techniken.

Welche Ziele möchtest Du im Karate noch erreichen?

Ich freue mich über die Weiterentwicklung des Karate in Deutschland und der ganzen Welt. Vielleicht kann ich einen kleinen Beitrag hierzu leisten. Ebenso freue ich mich über die gute Gemeinschaft in unserem Dojo, zu der ich gerne  beitrage.

Wie motivierst Du Deine Karateka zu Höchstleistungen?

Durch Freundschaft und Verbundenheit miteinander. Man muss lieben, was man tut, um wirklich erfolgreich zu sein. Ein Apfelbaum bringt mehr Ertrag, je mehr man ihn pflegt, nicht je mehr man ihn schüttelt. Die Früchte reifen zur richtigen Zeit.

Steht Sportkarate nicht im Widerspruch zur Idee des ursprünglichen Karate? Ich sehe da überhaupt keinen Gegensatz. Die Zeit des Sportkarate ist nur eine von vielen Phasen im Leben eines Karateka. Traditionen bedeuten nicht das Bewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers, anderenfalls gäbe es keine Weiterentwicklung.

Wie kann das öffentliche Interesse an Karate in Deutschland gesteigert werden?

Karate hat aus meiner Sicht durch zu viele Schützer und die veränderten Wettkampfregeln viel von seiner ursprünglichen Form verloren. Es ist für Zuschauer heutzutage vermutlich nicht mehr so spannend, da die Wettkampfregeln zu kompliziert und für Außenstehende nicht verständlich sind.

Ich denke, dass das Interesse an Karate dadurch gesteigert werden kann, wenn jede/r Karateka selber ein guter Mensch und damit Vorbild für andere ist.   

Welche Charaktereigenschaften schätzt Du, und was gefällt Dir nicht?

Ich finde Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Loyalität, Toleranz und einen respektvollen Umgang miteinander sehr wichtig. Entsprechend gefällt mir das Gegenteil davon nicht.

Neben Stärken besitzt jeder Mensch auch Schwächen. Siehst Du Veränderungsbedarf bei Dir?

Es gibt immer etwas positiv zu verändern. Ich bin ein emotionaler Mensch und Karate hilft mir, meine Emotionen zu zügeln. Durch das Training wird das Gleichgewicht immer wieder hergestellt. Ich versuche glücklich zu sein und in Harmonie mit anderen Menschen zu leben.

Würdest Du in Deinem Leben etwas anders machen, wenn Du das Rad der Zeit zurück drehen könntest?

Auch ich habe Fehler in meinem Leben gemacht und daraus lernen müssen. Aber würde man es besser machen, wenn man nochmals von vorne beginnen könnte?

Da ich gesund bin und viele Freunde habe, bin ich zufrieden.

Welchen Ratschlag möchtest Du jungen Menschen mit auf ihren Lebensweg geben?

Versuche immer, ein edler Mensch zu sein. Sei ehrlich, bescheiden, mutig und respektvoll anderen gegenüber. Das Wichtigste im Leben ist die Liebe und gute Freunde.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Wolfgang Adamek   
Fotos: Norbert Dopierala

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