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 Mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Hanshi

Fritz Nöpel - 9. Dan Goju Ryu

Fritz Nöpel, höchstgraduierter deutscher Karateka im DKV, wird am 3. November 1935 in der schlesischen Landeshauptstadt Breslau geboren und kommt als Zwanzigjähriger 1956 in Sri Lanka zum ersten Mal mit Karate in Kontakt. Der mittlerweile 75-jährige gibt noch immer regelmäßig an vielen Wochenenden im Jahr Lehrgänge in Deutschland, Spanien und den USA. 1967 gründet Fritz die bis heute aktive Karateabteilung im Polizeisportverein Dortmund, Deutschlands ersten Goju-Ryu Verein, und 1979 sein Heimat-Dojo Goju-Ryu Karate Do Kamen / Bergkamen e.V.

Rückblende. Nach seiner Berufsausbildung zum Bergmann startet Fritz 1954 mit dem Fahrrad zu einer Reise um die Welt, um ursprünglich die Olympischen Spiele 1956 in Melbourne zu sehen. Doch dazu kommt es nicht. Die Radtour führt ihn durch Frankreich, Schweiz, Italien, Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Syrien, Libanon, Jordanien, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, Burma, Ceylon, Malaysia, Singapur, Indonesien, Thailand, Vietnam, Hongkong, China und Taiwan. Im Winter 1957/58 erreicht er schließlich Japan.

Die Tour geht anschließend weiter. Über Kanada in die USA, nach San Francisco. In den Vereinigten Staaten absolviert Fritz eine Berufsausbildung zum Tiefseetaucher. Im Herbst 1958 fährt er über die Philippinen zurück nach Japan, wo er als Berufstaucher arbeitet und schließlich dauerhaft mit Karate beginnt.

Bei Sensei Tomoharu Kisaki im elitären Yuishinkan-Dojo erlernt Fritz das GOJU-RYU-Karate. In Japan trifft er seine spätere Ehefrau Eiko und wird als Familienmitglied in die tief verwurzelten Traditionen der Japaner mit eingebunden. Über die neuen Verwandten öffnen sich für ihn auch Türen zu anderen, nicht öffentlichen, Kampfkünsten, wie beispielsweise das Ninjitsu.

1967 kommt er mit Ehefrau und Tochter Jaqueline nach 13-jähriger Reise um den halben Globus zurück nach Deutschland, um als Beamter bei der deutschen Bundesbahn bis zu seiner Pension beschäftigt zu sein. Zu dem Zeitpunkt besitzt er bereits den 4. Dan.

Seit Gründung 1972 leitet Fritz den Goju-Ryu Karate-Bund Deutschland, in den letzten 15 Jahren als Ehrenpräsident. 1993 initiiert er die Gründung des Europäischen Goju-Ryu Verbands EGKF. 2007 verleiht ihm der DKV den 9. Dan und Tomoharu Kisaki, Präsident des Yuishinkan Goju-Ryu Verband, den zweithöchsten japanischen Ehrentitel Hanshi. Dieser wird anschließend in Japan bestätigt.

Lesen Sie jetzt die aufschlussreichen Ansichten eines sympathischen Großmeisters, dessen Bestreben als stilübergreifender Kursleiter darin liegt, die Kampfkunst und nicht das Sportkarate zu vermitteln.

Was bewegte den 19-jährigen Fritz dazu, nach seiner Berufsausbildung mit dem Fahrrad 1954 von Deutschland nach Melbourne zu starten, um auf dem Weg dahin in Japan als 29. Reiseland hängen zu bleiben und Karate zu erlernen?

Ich machte schon als Sechzehnjähriger mit einem Freund Radtouren bis nach Schweden und übernachtete im Zelt. Es war wohl die aufkommende Reiselust in der Zeit des Wirtschaftswunders, die mich schon damals neugierig auf die ganze Welt machte. Diese Neugier habe ich bis heute in mir.

Was hat Dich an Japan und den japanischen Meistern so beeindruckt, dass Du schließlich eine Japanerin geheiratet hast und von 1958 bis 1967 dort geblieben bist?

Die netten, hilfsbereiten Menschen faszinierten mich und ich bekam schnell Kontakt zu vielen Personen. Da ich als junger Berufstaucher in Japan gutes Geld verdiente, stellte sich für mich die Frage nach der Rückkehr nach Deutschland (noch) nicht.

Was verbindest Du mit Karate?

Karate ist am Anfang eine sehr wirksame Selbstverteidigung. Später wird daraus eine Lebensphilosophie, die zu einer guten Schulung für Körper, Geist und Seele führt. Eine Charakterschule fürs ganze Leben.





Wo liegen Deine Schwerpunkte im Karate?

Mein Schwerpunkt liegt im Jukuren-Training. 1986 habe ich die Jukuren-Bewegung in Deutschland gegründet. Jukuren bedeutet die Erfahrenen. Das sind zum einen die Späteinsteiger, die eine Herausforderung im Alter suchen, aber auch diejenigen, die schon lange beim Karate dabei sind.



Wie motivierst Du als Trainer Deine Schülerinnen und Schüler zu Höchstleistungen?

Ich fördere die guten Eigenschaften meiner Karateka, indem ich sie vorlebe. Beispielsweise die Höflichkeit, Pünktlichkeit und die Ordnungsliebe. Mir ist wichtig, das Selbstvertrauen meiner Schülerinnen und Schüler aufzubauen. Eine weitere Motivation ist nicht erforderlich

Auf welche Weise kann Deiner Meinung nach das Interesse an unserer Kampfkunst in Deutschland gesteigert werden?

Karate ist ganz wichtig für die Gesundheit. Ich denke hier beispielsweise an die Atemschulung und Gymnastik. Außerdem dient unser Sport der Charakterschulung. Dies alles müsste deutlich herausgestellt werden. Zugleich sollte aber auch an die Wurzeln, an die traditionellen Formen also, erinnert werden. 

Du hast gemeinsam mit Martin Nienhaus im vergangenen Jahr das Buch „Jukuren: Kampfkunst der Erfahrenen“ herausgegeben. Womit beschäftigt sich das Buch inhaltlich und arbeitest Du an einer Fortsetzung?

Das Buch will einen Weg aufzeigen, den man sportlich auch als älterer Mensch noch gehen kann. Es geht darum, Techniken zu erkennen und zu trainieren, die selbst im höheren Lebensalter noch möglich sind. Das Buch soll Mut machen und den Glauben an das eigene Können stärken. Momentan arbeite ich an einer speziellen Jukuren-Kata und an einem weiteren, sehr ausführlichen Buch, das sich ganz allgemein mit Karate und den Kampfkünsten beschäftigen wird.

Welche Hobbies hast Du ausser Karate und Schreiben noch?

Ich mache gerne lange und weite Reisen, kenne mittlerweile fast die ganze Welt. Des Weiteren lese ich sehr gerne und begeistere mich, wie schon in meiner Jugend, noch immer für Camping, weil man da der Natur unmittelbar verbunden ist.


Welche Charaktereigenschaften schätzt Du besonders, und was missfällt Dir?

Ich mag Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, besonders auch im Umgang mit älteren Menschen. Lügen und Gewalt lehne ich ab. Vorurteile sind für mich schlimm, denn ich habe in jedem der von mir bereisten Länder nur hilfsbereite, nette Menschen kennengelernt.

 

Würdest Du etwas anders machen, wenn Du dein Leben nochmals neu gestalten könntest?

Nein, ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben, so wie es bisher gelaufen ist.







Welchen Ratschlag möchtest Du jungen Menschen mit auf ihren Lebensweg geben?

Entwickelt Geduld, lernt Disziplin und Pünktlichkeit. Überlegt, bevor ihr etwas macht. Beschäftigt euch mit der Geschichte der Kampfkunst, um die dahinter stehende Kultur zu verstehen.

 Was wünscht Du Dir zu Gunsten der Allgemeinheit am meisten?

Ich wünsche mir ein friedliches Miteinander aller Völker und dass der Glaube an das Gute im Menschen und an die Zukunft nicht zerstört wird.


Wolfgang Adamek                  
Fotos: Norbert Dopierala
                                                        

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