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- Gedanken eines Karatepioniers |
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Seit
mehr als vier Jahrzehnten ist sein Name untrennbar mit Karate in
Deutschland verbunden und es gibt wohl kaum einen, der nicht wenigstens
eine oder mehrere seiner 22 Publikationen, 4 DVD's und einem Lehrvideo
im Bücherschrank stehen hat. Albrecht Pflüger, einer der Wegbereiter
unserer Kampfkunst, der die Entwicklung des Karate in Deutschland so
geprägt hat, wie kaum ein anderer. Einer, der 16-jährig mit Jiu-Jitsu
begann und bereits 1962 zum Karate wechselte. Längst ist er der
bekannteste und wahrscheinlich erfolgreichste deutschsprachige Autor
japanischer Kampfkunstliteratur hierzulande, dessen Bücher zum Teil
auch in mehrere Sprachen übersetzt wurden.
Sensei Pflüger wurde 1941 im schwäbischen Leonberg bei Stuttgart geboren und lebt noch heute dort mit seiner Familie, die seine Leidenschaft für Karate mitträgt. Der bis zu seiner Pensionierung 2002 stets motivierte Hauptschullehrer, der auch schwierigen Schülerinnen und Schülern eine Perspektive bot, gibt bundesweit jährlich 12-15 Lehrgänge und 3-4 mal wöchentlich Training in dem von ihm 1964 gegründeten Heimat-Dojo TSG Leonberg. Bereits 1965 legte der ehemalige Präsident des Deutschen Karate Bundes (DKB) und spätere Vizepräsident der Deutschen Karate Union (DKU) im Alter von 24 Jahren die Prüfung zum 1. Dan Shotokan ab. Nur ein Jahr später bestand er die Prüfung zum 2. Dan. Sein breitbandiges Fachwissen resultiert insbesondere aus der Beschäftigung mit vielen Kampfkünsten. Schließlich besitzt er neben dem 7. Dan im Karate noch den 2. Dan im Jiu-Jitsu, den 1. Dan im Aikido und den 1. Kyu im Judo. |
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Wie bist du damals zum Karate als deine Sportart gekommen? Als 16-jähriger kam ich über einen Jiu-Jitsu-Kurs zum Judo. Dort erfuhr ich aus der Verbandszeitschrift von der Sportart Karate, besuchte dann Sommerkurse bei Jürgen Seydel, dem Begründer des Karate in Deutschland. Jürgen Seydel, der dieses Jahr 90 Jahre alt wurde, war und ist mir mit seiner Bescheidenheit, Gradlinigkeit und tiefen Menschlichkeit ein großes Vorbild. ![]() |
| Was fasziniert dich besonders an Karate? Im Verständnis der alten Meister liegt das eigentliche Ziel der Kampfkünste nicht in erster Linie im Sieg über andere (äußerer Erfolg), sondern vor allem und womöglich lebenslang im Sieg über sich selbst, über das Ego, das sich immer wieder in den Vordergrund drängen will. Um hier siegreich zu sein bedarf es nicht nur körperlicher Anstrengungen, sondern vor allem einer bewussten und dauernden charakterlichen Weiterentwicklung. Von Karate-DO kann also eigentlich nur jemand sprechen, der auch diesen charakterlichen Aspekt des Weges beachtet! |
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| Welche Hobbies hast du ausserdem? Familie (8 Enkel!), Freunde, Bewegung in der freien Natur (Radfahren, Wandern). Lesen, Zeichnen und Malen (Landschaften), Fotografieren (3-D-Fotografie). Welche Charaktereigenschaften schätzt du besonders, und was gefällt dir gar nicht?
Toleranz ist unter anderem die Fähigkeit, Widerspruch zu ertragen, andere Meinungen auch gelten zu lassen. Sie erwächst vor allem aus der Einsicht (und Größe!), die eigene Meinung und Überzeugung immer wieder selbst auf den Prüfstand zu stellen und in Zweifel zu ziehen. Gar nicht gefällt mir deshalb Intoleranz. Ich toleriere deshalb keinerlei religiösen Fundamentalismus oder politische Ideologien, denn daraus resultiert immer Intoleranz und im Gefolge davon Unmenschlichkeit. |
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Wie motivierst du als Trainer deine Schüler/innen zu Höchstleistungen?
Ich bemühe mich, ein WEG-Lehrer zu sein (Sensei) und nicht ein Sporttrainer. Dabei versuche ich die Schüler/innen mit pädagogischen Mitteln zu motivieren, vor allem als Vorbild, denn das bedeutet insbesondere auch für mich selbst die Verpflichtung, laufend auch an mir selbst weiter zu arbeiten. |
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Wo liegen deine Schwerpunkte im Karate? Es überrascht sicher nicht, dass ich im technischen Bereich keine Schwerpunkte setze, sondern das gesamte Spektrum unserer Kampfkunst unterrichte. Ein Schwerpunkt ist für mich aber ganz sicher, meinen Schüler/innen diese Kampfkunst als WEG-Lehre nahe zu bringen, im Sinne einer womöglich lebenslangen Verbesserung der Gesamtpersönlichkeit. Was hat dich bewogen, im Laufe deines Lebens hierzulande 22 Publikationen über Karate und Selbstverteidigung sowie 4 DVDs und 1 Lehrvideo zu veröffentlichen und auch Übersetzungen im Ausland zu publizieren? Da ich fast als Autodidakt mir selbst, unter anderem durch schwer erhältliche japanische Literatur (auch Filme), meinen technischen Weg erarbeiten musste, war es für mich als gelernter Pädagoge ein Anliegen, anderen auf ihrem Weg zu helfen und methodische Anleitungen und Hilfen zu vermitteln. Dem manchmal erhobenen Vorwurf von Neidern, ich habe in erster Linie nur Geld damit verdienen wollen, hier nur eine Tatsache zum Nachdenken: Für mein bekanntestes und erfolgreichstes Werk „25 Shotokan-Katas“ (heute „27 Shotokan-Katas“) bekam ich vom Falken-Verlag pro verkauftem Exemplar nur 76 Pfennig! |
| Liegt bei einer Gesellschaft mit wachsender
Freizeitorientierung der Schlüssel zu Mitgliederzuwächsen im
Stiloffenen Karate, oder auf welche andere Weise kann deiner Meinung
nach das Interesse an unserer Kampfkunst in Deutschland gesteigert
werden? Ausgehend von der Tatsache, dass höchstens 10 Prozent unserer Mitglieder Wettkampfsport betreiben, hat der DKV mit der Einführung des Stiloffenen Karate einen mutigen und sichtlich erfolgreichen Weg gefunden in Verbindung mit Sound-Karate im Jugendbereich. Auch das Jukuren-Projekt ist geeignet, Mitglieder zu gewinnen, die an dem schon mehrfach angesprochenen breiteren Spektrum unserer Kampfkunst interessiert sind und eben nicht (mehr) am Wettkampf; oder auch ehemaligen Wettkämpfern aufzuzeigen, dass es im Karate nach dem Wettkampf weitergehen kann. |
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Wenn du das Rad der Geschichte zurück drehen könntest, was würdest du in deinem Leben anders machen?
Unter den damals gegebenen Umständen würde ich im Karate nichts anders machen. Bei meinem Lebensweg bin ich zufrieden, einen Beruf gewählt zu haben, der mich voll und ganz ausfüllte und eine organische Ergänzung zu meinen Bestrebungen als Karate-Lehrer darstellte. Familiär und mit Freunden bin ich auch im Lot, was aber dauernde Bemühungen erfordert. Zu dieser Frage passt auch einer meiner Leitsprüche, der auch immer eine Zielvorgabe im Sinne des DO ist: Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, ist wirklich zufrieden! |
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Welchen Ratschlag möchtest du jungen Menschen mit auf ihren
Lebensweg geben? |
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| Herzlichen Dank für das Gespräch. Wolfgang Adamek |
Fotos: Sabine Brandner |